Sekt oder Selters? Bündnis für Toleranz und Menschenrechte diskutiert über Rechtsentwicklung und die Wahl in Sachsen-Anhalt

Sekt oder Selters? Bündnis für Toleranz und Menschenrechte diskutiert über Rechtsentwicklung und die Wahl in Sachsen-Anhalt

September 9, 2026 Uncategorized 0

Wie umgehen mit dem starken Abschneiden der AfD in Sachsen-Anhalt und der zunehmenden Rechtsentwicklung in Deutschland? Unter dem Motto „Sekt oder Selters – gemeinsam diskutieren und Haltung zeigen“ hatte das Bündnis für Toleranz und Menschenrechte im Landkreis Cham am Montagabend zu einem offenen Austausch eingeladen. Neben Mitgliedern des Sprecher*innenkreises waren auch zahlreiche Gäste gekommen, um gemeinsam über die aktuellen Entwicklungen zu sprechen.

Nach der Begrüßung durch Christian Oberthür, Mitglied des Sprecher*innenkreises sowie Anmelder und Versammlungsleiter, entwickelte sich schnell ein offenes und lockeres Gespräch. Im Mittelpunkt stand zunächst der Wahlabend in Sachsen-Anhalt und das Ergebnis von 43,8 Prozent für die AfD. Dabei ging es nicht nur um die Bewertung des Wahlergebnisses, sondern vor allem um die Frage, was daraus für die demokratische Zivilgesellschaft folgt.

Oberthür warnte davor, dass demokratische Parteien auf die Stärke der AfD mit einer weiteren Verschiebung nach rechts reagieren. „Wir müssen der AfD nicht ähnlicher werden, um sie zu schlagen. Wir müssen zeigen, dass wir die besseren Antworten haben“, so Oberthür. Gerade die zunehmende soziale Spaltung müsse stärker in den Blick genommen werden. Wenn die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehe und gleichzeitig soziale Leistungen gekürzt würden, entstehe bei vielen Menschen Frust und das Gefühl, von der Politik nicht mehr gesehen zu werden.

Auch Marian Janka, Mitglied des Sprecher*innenkreises und aktiver Gewerkschafter, brachte die soziale Dimension der Rechtsentwicklung in die Diskussion ein. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen, die unter unsicheren Arbeitsbedingungen, niedrigen Löhnen oder steigenden Lebenshaltungskosten leiden, von der AfD gegeneinander ausgespielt werden“, erklärte Janka. Die Antwort auf soziale Probleme müsse gute Arbeit, faire Löhne und ein Sozialstaat sein, auf den sich die Menschen verlassen können.

Ruth Meissner betonte die Bedeutung des persönlichen Engagements: „Demokratie lebt davon, dass Menschen nicht wegschauen, sondern sich einmischen – gerade dann, wenn es unbequem wird.“ Es sei wichtig, auch im eigenen Umfeld klare Haltung zu zeigen und demokratische Werte im Alltag zu verteidigen.

Claudia Zimmermann verwies darauf, dass man dabei nicht nur diejenigen erreichen dürfe, die ohnehin bereits überzeugt seien. „Wir müssen auch mit den Menschen im Gespräch bleiben, die enttäuscht oder verunsichert sind, aber noch nicht völlig von der AfD vereinnahmt wurden“, sagte sie. Gerade hier müsse die demokratische Zivilgesellschaft Angebote machen und zuhören.

Achim Deufel hob die Bedeutung gemeinsamer Aktivitäten hervor. „Wir zeigen mit unserem Bündnis, dass ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen können, wenn es um Toleranz, Menschenrechte und Demokratie geht“, erklärte er. Veranstaltungen wie der CSD in Cham oder der heutige Abend seien deshalb wichtig, weil sie Menschen zusammenbrächten und sichtbar machten, dass man mit der eigenen Haltung nicht allein stehe.

Zum Abschluss der Runde wurde auf kommende Veranstaltungen hingewiesen, bei denen das Bündnis ebenfalls präsent sein wird. Am 2. Oktober findet die Lange Nacht der Demokratie der VHS statt. Am 9. November um 19 Uhr lädt das Bündnis anlässlich des Gedenkens an die Opfer der Reichspogromnacht zur Gedenk- und Musikveranstaltung „A Singing Communion – Gemeinsam Eins“ ein. Es werden Lieder, Gedichte und Gebete aus jüdischer und christlicher Tradition zu hören sein. Mitwirken werden Pfarrer Dr. Michael Rummel, das Bündnis für Toleranz und Menschenrechte/Cham gegen Rechts sowie eine Band unter der Leitung von Uwe Steinmetz. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

Der Abend machte deutlich: Die politische Entwicklung nach rechts lässt viele Menschen mit Sorge zurück. Gleichzeitig zeigte der Austausch, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, selbst aktiv zu werden. Das Bündnis will deshalb auch künftig Räume für Diskussion, Begegnung und gemeinsames Engagement für Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt schaffen.

Auf dem Foto: Mitglieder des SprecherInnenkreises des Bündnis, von rechts: Christian Oberthür, Marian Janka, Ruth Meissner, Achim Deufel,  und ganz links Claudia Zimmermann zusammen mit mehreren Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Versammlung

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